9. September 2026

Batteriespeicher im Kanton Bern: Rolle und Rahmenbedingungen

Anlässlich der Herbstsession des Grossen Rates lud die aeesuisse Bern am 8. September zur jährlichen Sessionsveranstaltung ein. Beim gemeinsamen Mittagessen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung die Rollen von Energiespeichern im zukünftigen Energiesystem. Mit gut 50 Teilnehmenden, darunter Grossrätinnen und Grossräte zahlreicher Fraktionen sowie Regierungsrat Raphael Lanz, war der Anlass sehr gut besucht.

Zu Beginn skizzierte Fabienne Thomas, Co-Geschäftsführerin der aeesuisse, die energiepolitische Ausgangslage. Ein wachsender Anteil der Stromproduktion ist künftig wetterabhängig und fällt nicht genau dann an, wenn auch der Bedarf am grössten ist. Verschiedene Arten von Energiespeichern werden deshalb eine wichtige Rolle spielen. Durch die Schaffung guter Rahmenbedingungen kann die Politik dazu beitragen, dass es sich lohnt, Energie zu speichern. Die Netzentgeltbefreiung beziehungsweise  -rückerstattung und dynamische Tarife sind zwei Massnahmen, die bereits zur Anwendung kommen. Zudem soll die Planung und Realisierung von Energiespeichern ausserhalb der Bauzone vereinfacht werden. Auf kantonaler Ebene sind insbesondere die Vereinheitlichung und Vereinfachung der kantonalen Bewilligungen für Batteriespeicher in Bauzonen und die schweizweite Harmonisierung der kantonalen Lärm- und Brandschutzvorschriften entscheidend. Mehr Informationen zur Rolle von Speichern im zukünftigen Energiesystem der Schweiz lassen sich dem aeesuisse Energiespeicherplan entnehmen.

Marcel Bühlmann, Leiter der Business Unit BESS bei der BKW, stellte konkrete Projekte der BKW für Grossbatteriespeicher vor. Diese sind direkt ans Stromnetz angeschlossen und können kurzfristig Strom speichern oder einspeisen, je nach aktuellem Bedarf und Preis auf dem Strommarkt. Sehr grosse Batteriespeicher können auch Systemdienstleistungen erbringen, indem sie das Stromnetz beim Ausgleich zwischen Verbrauch und Produktion unterstützen. Zwei wichtige Erfolgsfaktoren für grosse Batteriespeicher sind durchgängige Preissignale und die Digitalisierung der Energiemanagementsysteme. Kanton und Gemeinden können die Entwicklung von BESS-Projekten mit abgestimmten Bewilligungs- und Plangenehmigungsverfahren gezielt unterstützen. Auch einheitliche Anforderungen zu Lärm, Erschliessung und Landschaftsschutz schaffen zusätzliche Planungssicherheit für die Projektanten.

Welche Rolle Batteriespeicher für Immobilienbesitzerinnen und -besitzer spielen können, zeigte Tobias Stahel, CEO der Smart Energy Link AG, auf. Insbesondere zur Optimierung des Eigenverbrauchs können Batteriespeicher einen wertvollen Beitrag leisten. Sie erlauben es, den Stromverbrauch vom Zeitpunkt der Produktion zu entkoppeln, wodurch weniger Erlös durch niedrige Rückliefertarife verloren geht. Tobias Stahel riet insbesondere zur Verwendung von Elektroautos als mobile Batterien, die mittels intelligenter Energiemanagementsysteme einen grossen Teil des Solarstroms, der zur Mittagszeit produziert wird, speichern und zu einer anderen Tageszeit wieder zur Verfügung stellen können. Als politische Massnahmen auf kantonaler Ebene empfahl er deshalb insbesondere die Förderung der Elektromobilität und Energiemanagementsystemen, die das solar-optimierte Laden von Elektroautos erlauben.

Fazit: Energiespeicher werden im künftigen Energiesystem der Schweiz wichtige Aufgaben erfüllen. Als Kurzzeitspeicher erlauben Batterien verschiedener Grössen, die Zeitpunkte von Stromproduktion und -verbrauch zu entkoppeln und damit die Stromnetze zu entlasten. Kanton und Gemeinden können insbesondere durch klare Zuständigkeiten und Verfahren sowie harmonisierte Vorschriften einen Beitrag zur Realisierung von Batteriespeicherprojekten leisten.